Unfallschaden: Zweitgutachten ?

Wer zahlt ein eigenes (Gegen)Gutachten ?

Wie bereits an anderer Stelle geschildert, ist es in Unfallsachen immer ratsam, einen Anwalt zu Rate zu ziehen. Häufig kommt es zum Beispiel vor, dass die gegnerische Versicherung zunächst den verunfallten PKW selbst begutachten lassen will (in der Regel durch die DEKRA).

In solchen Fällen ist vorhersehbar, dass der Gutachter die Schäden eher zu Gunsten der Versicherung berechnen wird.

In solchen Fällen stellt sich häufig die Frage, ob es für den Geschädigten sinnvoll ist, ein eigenes "Zweitgutachten" einzuholen. Wer trägt die Kosten dafür ?

Die Gerichte sind der Meinung, dass der Geschädigte grundsätzlich berechtigt ist, auch nach Vorlage eines Gutachtens durch die gegnerische Versicherung ein eigenes Gutachten einzuholen, dessen Kosten sodann der Schädiger bzw. seine Versicherung zu erstatten haben.

Das LG Bamberg hat die Voraussetzungen etwas präzisiert: Nach einer aktuellen Entscheidung kann der Geschädigte auch nach Vorlage eines Gutachtens durch den Schädiger/dessen Haftpflichtversicherung ein Zweitgutachten einholen, wenn Zweifel an der Objektivität des Gutachters und der Richtigkeit seiner Feststellungen bestehen.

Solche Zweifel können sich daraus ergeben, dass die Untersuchung mangelhaft erscheint (z.B. ohne Hebebühne), dass der Restwert falsch ermittelt wurde oder die Reparaturkosten zu niedrig angesetzt wurden (LG Bamberg, 13.04.2017, 3 S 88/16).

Begründet wird dies auch in der Entscheidung des LG Bamberg damit, dass der Geschädigte in der Wahl der Mittel zur Schadensbehebung frei ist. Er darf den Weg zur Schadensbeseitigung einschlagen, der seinen Interessen am besten entspricht. Das bedeutet auch, dass der Geschädigte selbst entschieden darf, welchen Gutachter er beauftragt. Er muss sich keinen Gutachter von der Gegenseite vorsetzen lassen.
Das LG Bamberg weist in seiner Entscheidung ausdrücklich darauf hin, dass nach der überwiegenden Rechtsprechung der Geschädigte ein zweites Gutachten selbst dann einholen darf, wenn Zweifel an der Objektivität oder Richtigkeit des vom Schädiger beauftragten Gutachtens nicht bestehen. Dies wird in der Regel mit dem Grundsatz der Waffengleichheit begründet.

Fazit: Lassen Sie sich also im Falle eines Unfalls nicht mit dem von der gegnerischen Versicherung eingeholten Gutachten abspeisen. Ziehen Sie lieber einen Gutachter Ihres Vertrauens hinzu, der Ihrer Ansicht nach den Schaden korrekt berechnet. Wichtig ist dabei jedoch: Je nach Höhe des Gesamtschadens sollte vorher abgewogen werden, ob sich die Einholung eines Zweitgutachtens tatsächlich lohnt oder am Ende das Risiko höher ist, dass die Gegenseite auf Erstattung der für das zweite Gutachten eingefallenen Kosten verklagt werden muss.

Wie immer gilt: Beauftragen Sie frühzeitig einen Anwalt. Wenn die Gegenseite den Unfall verursacht hat, muss sie auch Ihre Anwaltskosten erstatten !



Eingestellt am 19.11.2017 von B. Löwenberg
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