Unfallregulierung / Kosten für Probefahrt und Reinigung

Sind diese Kosten erstattungsfähig ?

Im Rahmen der Unfallregulierung stellt sich oft nicht nur die Frage nach den Kosten der Reparatur des Fahrzeugs. Gestritten wird in der Regel um viele Einzelpositionen, beispielsweise die von der Werkstatt berechneten Kosten für eine Probefahrt oder für Reinigungskosten.

Derartige Aufwendungen werden in aller Regel von der gegnerischen Haftpflichtversicherung nicht erstattet mit der Begründung, diese Tätigkeiten seien doch nicht erforderlich gewesen.

In der Tat ist der Begriff der „Erforderlichkeit“ entscheidend für die Frage, welche Schäden bzw. Kosten zu erstatten sind.

Zu den genannten Positionen Probefahrt und Reinigungskosten bildet sich bei den Gerichten immer mehr die Haltung heraus, dass auch diese Kosten erstattungsfähig sind.

Zuletzt hat das Amtsgericht Hamburg-Blankenese (14.11.2018, 533 C 56/17) dies wie folgt begründet: Bei einer erheblichen Beschädigung eines Kfz sei die Probefahrt als Prüftätigkeit umfangreicher als nach normalen Servicearbeiten.

In dem vom Amtsgericht Hamburg entschiedenen Fall verfügte das Fahrzeug über eine umfangreiche technische Ausstattung, so dass der umfangreiche Schaden dazu führte, dass die Ausstattung nach der Reparatur gründlich überprüft werden musste. Dies galt auch für die Position „Fehlersuche / Fehlerspeicher löschen“.

Zudem seien die Reinigungskosten nach der Lackierung erforderlich, da selbst bei sorgfältigster Abdeckung des Fahrzeugs die Lackierung in der Regel Spuren hinterlasse.

Bei den hier genannten Positionen handelt es sich tatsächlich normalerweise nicht um die Streitpunkte, hinter denen sich erhebliche Beträge verbergen. Die Entscheidung zeigt aber eines sehr deutlich: Im Rahmen der Unfallregulierung geht es häufig nicht nur um die große Position der Reparatur, sondern um viele weitere kleine Positionen, die in der Summe dann doch zu erheblichen Kosten heranwachsen können.

Hier gilt der alte Grundsatz: Der Unfallgeschädigte sollte nicht versuchen, die Schäden zunächst selbst zu regulieren, sondern lieber gleich zum Anwalt zu gehen. Es ist sowohl für den Geschädigten als auch für den Anwalt unbefriedigend, wenn jeder sich in die Sache einarbeitet. Sinnvoller ist es, die ganze Sache gleich einem Anwalt zu übergeben, der sich um alles kümmert. Die Kosten für den Anwalt sind in der Regel von der Gegenseite zu zahlen.

Insoweit lassen sich dem Hamburger Urteil Impulse entnehmen, die auch in Würzburg von Bedeutung sind.



Eingestellt am 18.04.2019 von B. Löwenberg
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