Unfall: Restwertangebot der Versicherung muss nicht abgewartet werden !

Unfallgeschädigter muss kein Restwertangebot der Versicherung abwarten

Immer wieder versuchen Haftpflichtversicherungen, an den Schadensangaben des Unfallgeschädigten herumzubasteln: Die Reparaturkosten sind angeblich zu hoch, der Sachverständige zu teuer – und das beschädigte Fahrzeug hat angeblich einen viel höheren Restwert.

Der Geschädigte beauftragt einen Gutachter, der Reparaturkosten von 6.000,00 EUR ermittelt und den Restwert des beschädigten Pkw mit 1.000,00 EUR ansetzt. Der Geschädigte verkauft das Fahrzeug zum Preis von 1.000,00 EUR. Kurz darauf schreibt die Versicherung, dass der Pkw eigentlich noch 1.500,00 EUR wert gewesen sei, weshalb man 500,00 EUR weniger auszahle.

Die Rechtsprechung bestätigt seit vielen Jahren, dass etwaige Restwertangebote der gegnerischen Versicherungen nicht maßgeblich sind. Aktuell hat das Landgericht Gießen dies bestätigt (Urteil vom 28.01.2016, 5 O 212/15):

„Der Geschädigte kann vom Schädiger nicht auf einen höheren Restwerterlös verwiesen werden, der auf einem Sondermarkt für spezialisierte Restwertaufkäufe erzielt werden könnte“.

und

„Eine Verpflichtung des Geschädigten, vor dem Verkauf seines Fahrzeugs dem Haftpflichtversicherer das Schadensgutachten zugänglich zu machen und ihm einen gewissen Zeitraum zum Nachweis höherer Restwertangebote einzuräumen (…) sieht die Kammer nicht.“

Das bedeutet: Sobald der Gutachter einen Restwert festgesetzt hat, kann der Geschädigte zu diesem Preis verkaufen. Er braucht nicht abzuwarten, ob die Versicherung möglicherweise einen anderen Preis ermittelt.

Voraussetzung ist, dass der Gutachter die vom Bundesgerichtshof aufgestellten Voraussetzungen beachtet und mindestens 3 Angebote vom maßgeblichen regionalen Markt einholt. Diese Vorgabe wird von den anerkannten Gutachtern im Regelfall eingehalten.

Auch das Landgericht Schweinfurt hat diese Grundsätze in letzter Zeit bestätigt (Urteil vom 11.09.2014, 1 C 324/14): Zentraler Grundsatz des Schadensersatzes sei, dass der Geschädigte selbst bestimmen darf, wie er mit der beschädigten Sache weiter verfährt. Solange der Gutachter die o.g. Grundsätze einhält, darf er zu dem hier ermittelten Preis verkaufen und ist nicht an den von der Gegenseite ermittelten Wert gebunden.

Wir arbeiten in Würzburg und deutschlandweit ausschließlich mit Gutachtern zusammen, die nach den genannten Voraussetzungen arbeiten.



Eingestellt am 29.06.2016 von B. Löwenberg
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