Fiktive Abrechnung – Verweis auf günstigste Werkstatt?

Darf die Versicherung auf die günstigste Werkstatt verweisen ?

Eine immer wiederkehrende Frage im Rahmen der Unfallregulierung ist die nach dem Verweis auf eine andere Werkstatt. Es entspricht dem Regelfall, dass die gegnerische Versicherung hinsichtlich der vom Gutachter berechneten Reparaturkosten auf eine Werkstatt verweist, welche die Reparatur zu einem viel günstigeren Preis durchführen würde.

In aller Regel arbeiten die Versicherungen vor Ort mit den Werkstätten zusammen, die dementsprechend günstigere Preise anbieten können. Versicherungsunternehmen wie die HUK-Coburg vergeben Aufträge in einem erheblichen Volumen an ihre Partnerwerkstätten. Dies führt dazu, dass die Partnerwerkstätten andere Umsatzzahlen haben und daher auch niedrigere Preise anbieten können.

Seit vielen Jahren wird im Rahmen der Unfallregulierung dieses Gebaren der Versicherungen kritisiert. In zahlreichen Aufsätzen wurde bereits darauf hingewiesen, dass der BGH ursprünglich Kürzungen der vom Gutachter berechneten Kosten lediglich mit Hinweis darauf zugelassen hat, dass der Schädiger lediglich die mittleren ortsüblichen Stundenverrechnungssätze zu erstatten hat. Dies hat sich mittlerweile gewandelt dahingehend, dass die Versicherungen lediglich die günstigsten Preise erstatten, nicht jedoch die „mittleren ortsüblichen“.

Das Amtsgericht München tritt dieser Entwicklung nun entgegen: Nach einer Entscheidung aus dem Jahr 2016 muss der Unfallgeschädigte sich nicht auf die günstigste Werkstatt verweisen lassen, sondern hat – selbst bei fiktiver Abrechnung – Anspruch auf Erstattung der mittleren ortsüblichen Verrechnungssätze (AG München, 26.07.2016, 334 C 23683/15; AG München, 25.05.2016, 343 C 20362/15).

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass die beiden Entscheidungen des Münchener Amtsgerichts eine Wende einleiten und den völlig überzogenen Kürzungen durch die Haftpflichtversicherungen ein Ende setzen, indem der ursprüngliche Gedanke des Bundesgerichtshofs wieder in den Vordergrund gerückt wird. Dann wären nicht die günstigsten Werkstattpreise maßgeblich, sondern die mittleren ortsüblichen, also die durchschnittlichen.

Sind Sie Geschädigter eines Unfalls? Dann wird die Haftpflichtversicherung der Gegenseite auch in Ihrem Fall höchstwahrscheinlich Kürzungen vornehmen. Wenden Sie sich daher gleich an einen Anwalt, um Kürzungen und Ärger zu vermeiden.

Sie scheuen die Kosten eines Rechtsanwalts? Die muss die Gegenseite tragen, siehe hier.



Eingestellt am 08.09.2017 von B. Löwenberg
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