Fahrerlaubnis und THC

Aussagekraft von THC-Werten in Würzburg

Vorfälle mit Drogen gehören für einen Rechtsanwalt für Verkehrsrecht zu den häufigsten Verfahren. Auch in den Bereichen der Landgerichte Nürnberg und Würzburg kommt es immer häufiger vor, dass zumeist jüngere Leute mit Cannabis am Steuer erwischt werden. Nach unserer Erfahrung sind Fälle mit Haschisch oder Marihuana am Steuer mittlerweile häufiger als solche mit Alkohol.

Wie immer im Strafrecht ist das Aussageverhalten des Betroffenen hier ganz entscheidend.
Das liegt daran, dass aus den im Rahmen einer Blutprobe festgestellten THC-Werten zahlreiche Rückschlüsse gezogen werden können.
Zum einen gibt es den „normalen“ THC-Wert, der Erkenntnisse darüber liefern kann, wie lange der letzte Konsum zurückliegt.
Daneben gibt es allerdings den sogenannten „Langzeitwert“. Das Abbauprodukt „THC-COOH“ lässt auch Wochen oder sogar Monate nach dem letzten Konsum Rückschlüsse darüber zu, wie häufig jemand konsumiert hat.

Dies wird anhand von 2 Beispielen deutlich:

Der THC-Wert liegt bei 18 ng/ml, der Wert des Abbauprodukts liegt bei 2 ng/ml.
Hieraus wird deutlich, dass der Betroffene relativ kurz vor der Blutprobe THC konsumiert hat, allerdings im Übrigen nicht häufig, möglicherweise sonst noch nie, Drogen geraucht hat.

Der THC-Wert liegt bei 2 ng/ml, der Wert des Abbauprodukts bei 120 ng/ml.
Hier zeigen die Werte, dass der Betroffene wahrscheinlich kurz vorher, möglicherweise auch ein oder zwei Tage vor der Blutprobe zuletzt konsumiert hat, allerdings in den letzten Wochen und Monaten sehr häufig konsumiert hat.

Ab einem Wert von etwa 170 ng/ml dürfen die Behörden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sogar von längerem, regelmäßigem Konsum auszugehen.

In einer Entscheidung aus dem Jahr 2018 hat sich der VGH Hessen zur Aussagekraft der THC-Werte geäußert: Im konkreten Fall hatte der Betroffene bei einer Polizeikontrolle angegeben, zwei Tage vorher etwas geraucht zu haben. Die Blutentnahme ergab einen THC-Wert von 3,5 ng/ml.

Der VGH Hessen stellte in seinem Beschluss (11.10.2018, 2 B 1543/18) fest, dass dieser Wert nach dem Stand der Wissenschaft darauf hindeute, dass nach diesem eingeräumten Konsum vor zwei Tagen bis zur Blutentnahme noch ein weiterer Konsumakt stattgefunden haben muss.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen betrage die Wirkungsdauer von Cannabis nur wenige Stunden. Nach allgemeiner Praxiserfahrung reduziere die sich bei einer Konsumeinheit aufgenommenen Menge von etwa 35 mg THC bei einem Körpergewicht von etwa 70 kg nach etwa 6 Stunden bereits auf THC-Werte von unter 1,0 ng/ml. In 95 % der Fälle hätten die Werte bei unter 1,5 ng/ml gelegen. Nur in seltenen Fällen sei es möglich, dass auch nach mehr als 24 Stunden nach dem letzten Konsum die THC-Konzentration bei über 1,0 ng/ml liege.

Der VGH kommt daher zu dem Ergebnis, dass ein THC-Wert von 3,5 ng/ml 2 Tage nach dem letzten Konsum schlicht nicht möglich sei. Es habe also zwingend einen weiteren Konsum geben müssen.

Daraus schlussfolgert der VGH wiederum, dass es also mindestens 2 Konsumvorgänge gegeben haben muss, nämlich
- den vom Betroffenen eingeräumten und
- den anhand des Wertes auf der Hand liegenden Konsum.

Bei zweifachem Konsum geht die Rechtsprechung jedoch schon von einem „gelegentlichen Konsum“ aus. Im Falle des gelegentlichen Konsums gibt es jedoch in aller Regel Probleme mit der Fahrerlaubnis, die üblicherweise entzogen wird und eine MPUerfordert, wenn der Betroffene die Fahrerlaubnis zurückhaben will.

Die genannte Entscheidung führt zu mehreren Erkenntnissen:

- Die THC-Werte im Blut lassen zahlreiche Erkenntnisse zu, nicht nur darüber, wie viel THC derjenige gerade im Blut hat.
- Nach „üblichen“ THC-Konsum ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen davon auszugehen, dass nach mehr als 6 Stunden in aller Regel kein maßgeblicher THC-Wert mehr vorhanden ist.
- Aus den THC-Werten lassen sich Erkenntnisse hinsichtlich der Häufigkeit des Konsums schließen.
- Das bedeutet wiederum, dass ein regelmäßiger Cannabiskonsument immer Gefahr läuft, Probleme mit der Führerscheinstelle zu bekommen, da über den Wert des Abbauprodukts auch bei einem mehrere Tage zurückliegenden Konsum festgestellt werden kann, dass jemand häufiger Cannabis konsumiert.
- Aus der Kombination von Blutwerten und Angaben des Betroffenen lassen sich weitere Erkenntnisse zum Nachteil des Betroffenen gewinnen.
- Die wichtigste Erkenntnis: Im Rahmen einer Polizeikontrolle sollte der Betroffene niemals Angaben gegenüber der Polizei machen, da gerade diese im Einzelfall zum nachteiligen Folgen führen können.

Sind Sie in Würzburg in eine Polizeikontrolle geraten? Dann nehmen Sie schnellstmöglich mit uns Kontakt auf, um schlimmere Folgen zu vermeiden.



Eingestellt am 31.05.2019 von B. Löwenberg
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