Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten

Muss der Unfallgegner die Kosten für den Gutachter erstatten ?

Bei einem Verkehrsunfall hat der Schädiger grundsätzlich alle Kosten zu ersetzen, die dem Geschädigten durch den Unfall entstanden sind. Dazu zählen auch das Honorar, welches der Geschädigte an den Kfz-Sachverständigen zahlen muss (Die Wertgrenze liegt derzeit bei ca. 750,00 EUR, z.B. AG Hamburg vom 30.03.2016, 33a C 336/15).

Häufig wenden Haftpflichtversicherungen ein, dass die Sachverständigengebühren zu hoch seien und daher „leider“ nicht komplett erstattet werden könnten. Oft wird dabei nur um geringe Beträge gekürzt (z.B. 400,- statt 480,- EUR), um die Geschädigten nicht zu einer Klage zu bewegen.

Das ist falsch. Im Normalfall muss die Gegenseite die Sachverständigenkosten auf Heller und Pfennig zahlen.

Selbst wenn die Sachverständigengebühren zu hoch sein sollten, kann die Gegenseite damit nur argumentieren, wenn der Geschädigte gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen hat.

Dabei kann von ihm nicht verlangt werden, dass er ohne vorherigen Preisvergleich einen anerkannten Sachverständigen mit der Begutachtung beauftragt (BGH vom 04.04.2006, X ZR 11/05). Der Geschädigte hat also keinesfalls die Pflicht, vorher zu prüfen, welcher Sachverständige zu welchen Bedingungen arbeitet (AG Hamburg-Wandsbek vom 05.01.2016, 713 C 202/15).

Selbst wenn die Gebühren zu hoch sein sollten, tragen dieses Risiko im Normalfall der Schädiger und seine Haftpflichtversicherung (z.B. LG Hagen vom 28.02.2003, 1 S 3/03; AG München vom 07.07.2010, 344 C 5102/10; AG Nürnberg vom 18.02.2010, 21 C 9290/09). Auch dann muss die Gegenseite die Kosten in voller Höhe erstatten (OLG Köln, NZV 1999, 88; OLG Hamm, DAR 1997, 275).

Der Geschädigte darf auch dann einen Sachverständigen beauftragen, wenn die gegnerische Versicherung bereits angekündigt hat, dass sie einen Sachverständigen schickt (AG Hamburg vom 30.03.2016, 33a C 336/15).

Auch darf der Geschädigte ein 20 Kilometer entfernt gelegenes Sachverständigenbüro beauftragen, ohne dadurch gegen die Schadensminderungspflicht zu verstoßen (AG Hamburg-Wandsbek vom 05.01.2016, 713 C 202/15).

Im Ergebnis darf der bei einem Unfall Geschädigte daher einen anerkannten Sachverständigen beauftragen und darauf vertrauen, dass dieser zu angemessenen Preisen abrechnet. Die dabei entstehenden Kosten müssen vollständig erstattet werden.

Bei Fragen zu Ihrem Fall helfen wir jederzeit gern. Sprechen Sie uns an !



Eingestellt am 18.06.2016 von B. Löwenberg
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