Erstattung von Sachverständigenkosten

Muss der Gegner in jedem Fall zahlen ?

Im Rahmen der Unfallregulierung ist ein immer wiederkehrender Streitpunkt die Erstattung der Kosten für das Schadensgutachten. Der Geschädigte eines Unfalls lässt seinen Schaden von einem Gutachter bewerten, der Gutachter stellt ihm dafür eine Rechnung – und die gegnerische Versicherung weigert sich, die Kosten für das Gutachten zu erstatten. Häufiges Argument: Das Gutachten sei unbrauchbar.

In derartigen Fällen besteht nach dem Amtsgericht Oldenburg (20.08.2018, 3 C 3142/18) gleichwohl ein Anspruch auf Erstattung der Sachverständigenkosten.

Das OLG Oldenburg beruft sich auf eine „höhere Stelle“, nämlich das OLG Hamm. Dies hat bereits vor vielen Jahren entschieden, dass zu den von der Gegenseite zu erstattenden Kosten auch die Kosten der Schadensfeststellung gehören, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung erforderlich sind (OLG Hamm, 06.12.2010,13 U 173/09).

Begründet wird dies damit, dass der Geschädigte in aller Regel ohne Sachverständigenhilfe seine Schadensersatzansprüche gar nicht beziffern kann.

Anders gesagt: Wie soll Otto Normalverbraucher berechnen, wie hoch sein Schaden ist, wenn ihm Lohn- und Materialkosten für eine Reparatur unbekannt sind?

Daher: „Die Aufwendungen für einen Sachverständigen sind zu ersetzen, sofern ein verständiger und wirtschaftlich denkender Geschädigter dessen Eischaltung unter Abwägung gegen ihn zumutbare, preiswertere Möglichkeiten der Feststellung für geboten halten durfte“.

Ebenfalls an prominenter Stelle wird die Ansicht vertreten, dass die Kosten für das Gutachten auch dann zu erstatten sind, wenn sich das Sachverständigengutachten am Ende als unbrauchbar erwiesen hat (Münchener Kommentar, § 249 BGB, RZ. 397).

Das OLG Köln (23.02.2012, 7 U 134/177) hat ausgeführt, dass das Risiko des Fehlschlagens einer Kostenermittlung beim Schädiger liegt, es sei denn, den Unfallgeschädigten trifft hinsichtlich der sorgfältigen Auswahl und der korrekten Information des Sachverständigen ein Verschulden. In der Rechtsprechung wird immer wieder wiederholt, dass der Geschädigte bei der Auswahl des Gutachters keine Marktforschung betreiben muss, sondern grundsätzlich jeden kompetenten Sachverständigen beauftragen darf.

Fazit: Wohlgemerkt – Sachverständigenkosten sind auch dann zu erstatten, wenn das Gutachten sich als unbrauchbar herausstellt. Daraus lässt sich mal wieder die Erkenntnis ziehen, dass man sich von auf den ersten Blick gut klingenden Argumenten der Haftpflichtversicherungen nicht täuschen lassen sollte.

Unsere Kanzlei arbeitet ausschließlich mit anerkannten Würzburger Schadenssachverständigen zusammen.



Eingestellt am 22.03.2019 von B. Löwenberg
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