Berechnung des Haushaltsführungsschadens

Ein Beispiel aus Würzburg

Im Internet und in der Literatur findet man viel über den sogenannten Haushaltsführungsschaden. In Fortbildungen für Fachanwälte für Verkehrsrecht wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Haushaltsführungsschaden sehr kompliziert zu berechnen ist, jedoch teilweise zu erheblichen Forderungen des Geschädigten führen kann.

Hier die wichtigsten Punkte zur Berechnung des Haushaltsführungsschadens:

I. Lebensumstände des Mandanten

Als erstes sind die Lebensumstände des Mandanten zu ermitteln. Dazu gehören insbesondere
- Wohnverhältnisse (Miete / Eigentum, Größe der Wohnung, Garten ?)
- Einkommensverhältnisse des Mandanten
- Einkommensverhältnisse des Gesamthaushalts
- Hobbies des Mandanten vor dem Unfall
- Familiäre Verhältnisse (verheiratet, Kinder etc.)

Im Weiteren sind statistische Werte heranzuziehen, die z.B. bei Schah Sedi, Praxishandbuch Haushaltsführungsschaden, abgedruckt sind. Diese Werte besagen beispielsweise, wie viele Stunden ein Mann in einem 3-Personen-Haushalt mit minderjährigem Kind und einem Haushaltsgesamteinkommen von 2.400,00 EUR statistisch pro Woche im Haushalt arbeitet.

Sodann ist darzustellen, welche Tätigkeiten der Mandant vor dem Unfall in welchem Umfang im Haushalt erbracht hat. Ein Beispiel aus Würzburg:
- Garten, Rasen mähen: 2 Stunden
- Autofahrten, Autowäsche: 1 Stunde
- Einkauf: 2 Stunden
- Kochen: 7 Stunden
- Handwerkliche Tätigkeiten: 3 Stunden
- Aufräumen, Putzen: 4 Stunden
- Schriftverkehr, Verwaltung: 2 Stunden

Gegebenenfalls sollte hier begründet werden, warum die Arbeiten in dem dargestellten Umfang angefallen sind. Falls der Mandant beispielsweise ein großes Grundstück besitzt, lässt sich daraus erklären, warum er für Gartenarbeit sehr viel Zeit aufgewendet hat. Bei Mandanten mit Migrationshintergrund lässt sich in erhöhter Aufwand für Schriftverkehr und Verwaltung häufig damit begründen, dass die Eltern der deutschen Sprache nur begrenzt mächtig sind.

II. Bildung von Zeitfenstern
Sodann sind sogenannte Zeitfenster zu bilden. Diese sind von Bedeutung für die Frage, in welchem Umfang der Mandant in seiner Haushaltsführung eingeschränkt war.

a) Stationäre Behandlung
Hier ist darzustellen, wie lange der Mandant sich in stationärer Behandlung befand (Krankenhaus, Reha u.ä.) In diesem Zeitraum war er zu 100 % in der Haushaltsführung eingeschränkt.

b) Zwischenzeitraum
Der Zwischenzeitraum ist die Phase zwischen dem stationären Aufenthalt und dem Erreichen eines Dauerzustandes und lässt sich am besten verstehen, wenn der Zeitpunkt des Dauerzustands geklärt ist:

c) Dauerzustand
Der Dauerzustand ist dann erreicht, wenn aus medizinischer Sicht eine weitere Genesung nicht zu erwarten ist, wenn also nach dem aus ärztlicher Sicht zu erwartenden Verlauf eine weitere Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes nicht mehr zu erwarten ist.

Wie wird die Höhe der Beeinträchtigung bestimmt ?

Die Beeinträchtigung in der Haushaltsführung kann nur geschätzt werden. Falls die Gegenseite die Höhe der Beeinträchtigung bestreitet, muss ein Sachverständigengutachten eingeholt werden.

Eine Grundlage für die Berechnung kann auch hier der Literatur entnommen werden. So werden für bestimmte Verletzungen konkrete Beeinträchtigungsgrade angegeben (z. B. Schmerzsyndrom, Rücken: 50%, Bewegungseinschränkungen in den Knien: 40%, siehe dazu wieder Schah Sedi, Praxishandbuch Haushaltsführungsschaden).

Im nächsten Schritt ist anhand der Minderung der Haushaltsführung sowie der vor dem Unfall geleisteten Arbeitszeiten die Ausfallzeit zu berechnen.

Beispiel:
Der Mandant hat vor dem Unfall 6 Stunden pro Woche mit Gartenarbeit verbracht. Anhand seiner Verletzungen besteht insoweit eine Minderung der Haushaltsführung von 80%, so dass die Ausfallzeit 4,8 Stunden beträgt.

Im nächsten Schritt sind für die jeweiligen Tätigkeiten im Haushalt die berechneten Ausfallstunden zu addieren (im Beispiel oben: 21 Stunden).

Wie wird der Schaden in EUR berechnet ?

Die insgesamt pro Woche ausfallenden Stunden sind sodann mit einem Stundensatz zu multiplizieren. Die Gerichte gehen dabei von Sätzen zwischen 9,00 EUR und 12,00 EUR aus.

Der Rechtsanwalt für Verkehrsrecht wird daher bereits aus Haftungsgründen den höheren Stundensatz ansetzen, die Ausfallstunden mit dem Stundensatz multiplizieren und so den Haushaltsführungsschaden pro Woche berechnen (Im Beispiel: 21 Stunden x 12,00 EUR = 252,00 EUR pro Woche)

Falls sich innerhalb der Zeitfenster die Situation des Mandanten ändert (Eheschließung, Nachwuchs, Änderung der Wohnsituation), so ist dies natürlich zu berücksichtigen.

Ein Haushaltsführungsschaden kann sich in regulären Fällen schnell auf 500,00 EUR monatlich belaufen, so dass sich für einen Zeitraum von 2 Jahren bereits ein Betrag von 12.000,00 EUR ergeben kann.

Neben dem Haushaltsführungsschaden für die Vergangenheit kann auch ein Haushaltsführungsschaden für die Zukunft geltend gemacht werden. Monatliche Renten von 500,00 EUR oder mehr sind hier durchaus nicht ungewöhnlich.

Fazit:
Die Geltendmachung des Haushaltsführungsschadens ist kompliziert, kann jedoch äußerst lohnenswert sein. Bei Unfällen mit größeren Personenschäden sollte daher immer ein Rechtsanwalt für Verkehrsrecht aufgesucht werden.


Sie finden uns im Herzen Würzburgs
Bernhard Löwenberg - Ihr Rechtsanwalt für Verkehrsrecht in Würzberg RA Bernhard Löwenberg
Fachanwalt für Strafrecht,
Fachanwalt für Verkehrsrecht

Friedrich-Ebert-Ring 1
D-97072 Würzburg

Telefon: 0931 / 30 40 882
Telefax: 0931 / 18 867
info[at]Kanzlei-Loewenberg.de
News / Aktuelles
Zusammenstoß zwischen Radfahrer und Pkw-Tür in Würzburg
Mindestabstand eines Radfahrers von einem Pkw Unfälle zwischen Fahrradf...
Bußgeldbescheide: Rohmessdaten sind herauszugeben!
Gilt Urteil aus dem Saarland auch in Würzburg ? Im Rahmen von Bußgeldve...
Dashcam als Beweismittel zugelassen!
Auch in Würzburg möglich? Bereits vor einiger Zeit hat der BGH in einem...